07.03.2012

Bebauungsplan für Gebiet um das Textilviertel

Status: leicht modifiziert angenommen | Beschlussvorlage der Bauverwaltung (pdf)


Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gebiet nördlich der Reichenberger Straße, zwischen Schäfflerbachstraße im Westen, Berliner Allee im Osten und Amagasaki-Allee im Norden

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

über viele Jahre war das Textilviertel ein Stiefkind der Augsburger Politik. Das Potential seiner einzigartigen Industrielandschaft wurde nicht wahrgenommen, Vieles ging unwiederbringlich verloren. Durch die Schleifenstraße wurde das Viertel zerschnitten und viel Grün vernichtet. Die Ansiedlung von OBI, real, Norma, Lidl und der City Galerie führte zu einem enormen Qualitätsverlust und zu sehr viel zusätzlichem Verkehr im Viertel, zum Nachteil der Wohnqualität. Erst durch die kulturellen Impulse der letzten Jahre (tim, H2, Kälberhalle, Fokussierung auf Industriekultur) konnte das Blatt gewendet werden.

In der Folge hat der Augsburger Stadtrat am 22.11.2007 beschlossen, für das Textilviertel ein Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) im Bund-Länder-Städtebauförderungs-Programm „Stadtumbau-West” erarbeiten zu lassen. Dazu wurden Vorbereitende Untersuchungen von März 2008 bis Juli 2009, begleitet von einem Bürgerbeteiligungsverfahren, durchgeführt. Das ISEK wurde  am 29. 07. 2010 vom Stadtrat beschlossen. Die Zielsetzungen des ISEK sind u.a. die Beibehaltung der historisch gewachsenen „Schollen“ im Textilviertel, ein verträgliches Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten, eine verbesserte Durchwegung für Fußgänger und Radfahrer, eine ökologische und gestalterische Aufwertung der Bäche und Grünflächen sowie eine verbesserte Identität durch kulturelle Angebote.

Trotz des Niedergangs der Textilindustrie und der strukturellen Probleme und Fehlentwicklungen in den letzten zwanzig Jahren wurde durch diesen Prozess und die Weiterentwicklung des Quartiers in den letzten Jahren deutlich, welche einzigartigen Potenziale dieses hat, wie zum Beispiel die Industriedenkmäler, die Bäche und Kanäle, die kulturellen Einrichtungen, die Nähe zur Innenstadt und zum Lech.

Das vorgeschlagene Gebiet für die Aufstellung eines Bebauungsplans ist Teil des ISEK. Die städtebauliche Entwicklung dort sollte ebenfalls über einen Bebauungsplan so gesteuert werden, dass die Ziele des ISEK erreicht werden können.

 

Unsere Fraktion stellt daher folgenden

 Antrag:

 

  1. Für das Gebiet nördlich der Reichenberger Straße, zwischen Schäfflerbachstraße im Westen und Berliner Allee im Osten und Amagasaki-Allee im Norden wird ein Bebauungsplan aufgestellt.
  2. Zur Sicherung der mit dem Bebauungsplan beabsichtigten Planung wird für den künftigen Geltungsbereich des Bebauungsplans eine Veränderungssperre gem. § 14 Abs. 1 BauGB beschlossen.
  3. Die Verwaltung wird beauftragt, das weitere Verfahren nach den Bestimmungen des BauGB durchzuführen.

 

Begründung:

Bebauungspläne dienen dazu, eine geordnete städtebauliche Entwicklung und Ordnung zu sichern und zu gewährleisten. Dabei sollen die Bauleitpläne u.a. eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen in Einklang bringt, gewährleisten.

Das ISEK zeigt für das Textil- und das Herrenbachviertel Defizite bei der Nahversorgung, Gastronomie und kleinteiliger Dienstleistungen insbesondere dezentral und für spezielle Zielgruppen (Senioren, Migranten) auf. Dagegen ist gleichzeitig ein Überangebot an großflächigen Einzelhandels- und Fachmarktstandorten festzustellen. Es fehlen attraktive zentrale Bereiche, kommunikative öffentliche Plätze und Treffpunkte und identitätsstiftende Orte mit hoher Aufenthaltsqualität für die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.

Die derzeit diskutierte Ansiedlung von „Radl-Bauer“ (Verkaufsfläche bis zu 6000m2 laut Werbung) widerspricht den Zielen des ISEK. Sie konterkariert auch die Möglichkeiten, die sich durch die im  Bauausschuss vom 16. 2. 2012 beschlossene Sanierung der Reichenberger Straße ergeben. Insbesondere die beabsichtige Entschärfung bei der Einmündung der Herrenbachstraße wird durch die höhere Verkehrsbelastung entwertet.

Zur Sicherung einer nachhaltigen Stadtentwicklung und der dazu entwickelten Ziel im ISEK, sowie zur Konkretisierung und Einhaltung des städtischen Einzelhandelskonzeptes ist daher der Erlass eines Bebauungsplans dringend erforderlich, da hiermit insbesondere die zulässige Art der Nutzung, das Maß und die Anordnung der Bebauung auf den Grundstücken, die Erschließung und die Grünordnung festgelegt werden können.

                                                       

Eva Leipprand, Reiner Erben

URL:https://gruene-augsburg.de/fraktion00/antraege1/antraege-detail/article/bebauungsplan_fuer_gebiet_um_das_textilviertel/archive/2012/march/