26.05.2021

Prüfantrag: Maßnahmenpaket nachhaltige Nahmobilität in den Wohnquartieren

Status: beantwortet

Antwort des Referats für Stadtentwicklung, Planen und Bauen vom 30.07.2021.

 

Prüfantrag: Maßnahmenpaket nachhaltige Nahmobilität in den Wohnquartieren

 

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

eine zentrale Zukunftsaufgabe ist die nachhaltige Gestaltung von Mobilität. Insbesondere in den Wohnquartieren hängt zudem die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger stark mit dem Verkehrsaufkommen zusammen. Die Fraktion von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN sieht in diesem Bereich großes Potenzial für eine zukunftsfähige Organisation der Nahmobilität und stellt daher folgenden 

 

Prüfantrag:

1.  

Die Verwaltung wird beauftragt, ein Maßnahmenpaket Verkehrsberuhigung in den Wohnquartieren Pfersee Nord, Lechhausen West, Bismarckviertel und Pfärrle / Bleich zu prüfen. Dieses Maßnahmenpaket soll mit Blick auf die unklare Finanzsituation vorrangig kurz- bis mittelfristig zu realisierende Maßnahmen mit geringer Kostenwirksamkeit beinhalten. Es soll folgende Einzelmaßnahmen umfassen:

a)    Pfersee Nord

  • Einrichtung eines Systems gegenläufiger Einbahnstraßen im Bereich Leonhard-Hausmann-Straße / Metzstraße / Weißenburger Straße / Spicherer Straße / Koboldstraße
  • Auftragen von Fahrbahnmarkierungen „30“ und alternierende Anlage von Parkflächen an den beiden Straßenseiten im Bereich der Einmündung Kirchbergstraße / Bebo-Wager-Straße und im Bereich der Kreuzung Eberlestraße / Kazböckstraße
  • Verbot des Abbiegens von der Hessenbachstraße in die Kazböckstraße
  • Beschränkung der Zufahrt in den östlich der Eberlestraße gelegenen Abschnitt der Kazböckstraße von Westen aus und in die Straßenzüge Löwenstraße, Ohnsorgstraße, Schwalbenstraße und Greiffstraße auf den Anliegerverkehr

b)    Lechhausen West

  • Einrichtung eines Systems gegenläufiger Einbahnstraßen (z.B. Umwandlung der Elisabethstraße zwischen Neuburger Straße und Soldnerstraße in eine Einbahnstraße in Südost-Nordwest-Richtung, Umwandlung der Linken Brandstraße zwischen Kantstraße und Neuburger Straße in eine Einbahnstraße in West-Ost-Richtung, Umwandlung der Kolbergstraße zwischen Schillstraße und Elisabethstraße in eine Einbahnstraße in West-Ost-Richtung und Umwandlung der Soldnerstraße zwischen Elisabethstraße und Schillstraße in eine Einbahnstraße in Ost-West-Richtung)
  • Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs (zulässige Höchstgeschwindigkeit 20 km/h) im Quartierszentrum rund um die Elisabethkirche (begrenzt von den Straßen Kolbergstraße, Schellingstraße, Soldnerstraße und Elisabethstraße)
  • Umwandlung der kurzen Straßenzüge zwischen Schillstraße und Lützowstraße in Einbahnstraßen (Turnerstraße, Lützowstraße, Bülowstraße, kurze Schillstraße)  

c)    Bismarckviertel

  • Einrichtung eines Systems gegenläufiger Einbahnstraßen (z.B. Umwandlung der Bismarckstraße zwischen Theodor-Heuss-Platz und Neidhartstraße in eine Einbahnstraße in Nord-Süd-Richtung, Umwandung der Hochfeldstraße zwischen Neidhartstraße und Eserwallstraße in eine Einbahnstraße in Süd-Nord-Richtung und Umwandlung der Morellstraße zwischen Sulzerstraße und Windprechtstraße in eine Einbahnstraße in West-Ost-Richtung)
  • Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs (zulässige Höchstgeschwindigkeit 20 km/h) in der Bismarckstraße zwischen Neidhartstraße und Von-der-Tann-Straße
  • Verringerung der Durchfahrtsgeschwindigkeit in der Alpenstraße zwischen Neidhartstraße und Bismarckstraße durch alternierende Anordnung der Parkbuchten an der linken und rechten Straßenseite
  • Beschränkung der Zufahrt in die Werderstraße und Hartmannstraße auf den Anliegerverkehr

d)    Pfärrle / Bleich

  • Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs (zulässige Höchstgeschwindigkeit 20 km/h) in der Brückenstraße
  • Umwandlung der Straße „Am Lueginsland“ zwischen Lueginslandgässchen und Pettenkoferstraße in einen verkehrsberuhigten Bereich
  • Beschränkung der Zufahrt in die Bert-Brecht-Straße von Westen aus und in die Dr.-Port-Straße auf den Anliegerverkehr
  • Beschränkung der Zufahrt in das Lueginslandgässchen, in die Pettenkoferstraße und in die Mülichstraße auf den Anliegerverkehr 

Bei der Anlage von Einbahnstraßen ist – zum Beispiel durch die alternierende Anlage von Parkflächen an den beiden Straßenseiten – sicherzustellen, dass keine Anreize für eine Durchfahrt von Kfz in erhöhter Geschwindigkeit gesetzt werden. Fahrrad- und ggf. Linienverkehr sind von den Zufahrtsbeschränkungen auszunehmen.

Alle Maßnahmen sind so anzulegen, dass sie ggf. zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll um weitere (z.B. bauliche) Maßnahmen ergänzt werden können. 

 

2.

Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit den Stadtwerken Augsburg und deren Tochterunternehmen die Einrichtung neuer Standorte für SWA Carsharing und SWA Rad sowie neuer öffentlicher Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge in folgenden Bereichen zu prüfen:

a)    Pfersee Nord

  • ein zusätzlicher Carsharing-Standort in der Nähe der Kreuzung Koboldstraße / Leonhard-Hausmann-Straße
  • zwei zusätzliche Bikesharing-Standorte östlich der Eberlestraße und zwischen Metzstraße und Leonhard-Hausmann-Straße
  • eine zusätzliche Elektro-Ladestation im Quartier, bevorzugt in der Nähe des Dienstleistungszentrums westlich der Eberlestraße

b)    Lechhausen West

  • ein zusätzlicher Carsharing-Standort in der Nähe der Einmündung Schillstraße/Fraunhoferstraße
  • ein Bikesharing-Standort in der Nähe des Quartierszentrums rund um die Elisabethkirche
  • eine zusätzliche Elektro-Ladestation im Quartier, bevorzugt in der Nähe des Quartierszentrums rund um die Elisabethkirche

c)    Bismarckviertel

  • ein zusätzlicher Carsharing-Standort in der Nähe der Bismarckbrücke
  • ein bis zwei zusätzliche Bikesharing-Standorte im Bereich Prinz-Karl-Viertel/Von-der-Tann-Straße/westliche Schertlinstraße
  • zwei zusätzliche Elektro-Ladestationen im Quartier, bevorzugt jeweils nördlich und südlich der Bahnlinie Augsburg-München

d)    Pfärrle / Bleich

  • ein zusätzlicher Carsharing-Standort im Bleichviertel
  • ein zusätzlicher Bikesharing-Standort in der Nähe des Stephansplatzes
  • eine zusätzliche Elektro-Ladestation im Quartier, bevorzugt im mittleren Bereich der Brückenstraße

 

3.

Die Verwaltung wird beauftragt, die Umwandlung von 5 bis 20 Parkplätzen in Fahrradabstellplätze / Lastenradstellplätze, Grünflächen oder Flächen für die Außengastronomie in jedem der genannten Quartiere zu prüfen.

 

4.

Die Verwaltung wird beauftragt, die Errichtung von Mini-Servicestationen für den Radverkehr (Werkzeug, Luftpumpe) in den Quartieren zu prüfen, idealerweise in den jeweiligen Quartierszentren und / oder an einer viel genutzten Straßenbahn- bzw. Bushaltestelle, beispielsweise an den folgenden Standorten: 

a)   Pfersee Nord: Haltestelle Augsburger Straße, Dienstleistungszentrum westlich der Eberlestraße

b) Lechhausen West: Haltestelle Lechhausen Schlössle, Elisabethkirche

c) Bismarckviertel: Haltestelle Theodor-Heuss-Platz, Bismarckstraße

d) Pfärrle / Bleich: Frauentorstraße, Brückenstraße

 

Begründung:

Die Schaffung eines gesunden Wohnumfelds, die Erhöhung der Wohnqualität, die Verbesserung der Verkehrssicherheit und ein deutlich gesteigerter Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind erklärte Ziele der Stadt Augsburg. Maßnahmen zur nachhaltigen Nahmobilität in den Stadtquartieren, die die Belastungen durch den derzeit noch dominierenden Autoverkehr verringern und gleichzeitig nachhaltiges Mobilitätsverhalten befördern, sind daher geboten.

Die finanziellen Spielräume der Stadt sind infolge der Corona-Pandemie geringer geworden und mit einer großen Planungsunsicherheit behaftet. Gleichwohl kann die Stadt eine Reihe kurzfristig umzusetzender Maßnahmen mit geringer Kostenwirkung realisieren, wie z.B. das Einrichten zusätzlicher verkehrsberuhigter Bereiche, in denen Schrittgeschwindigkeit gilt, die Verlangsamung des Autoverkehrs durch alternierende Anordnung der Parkbereiche am linken und rechten Fahrbahnrand. Auch die Umwandlung von Parkraum in einem vertretbaren Maße trägt zur Verringerung des Kfz-Verkehrs bei.

Die bisherige Realisierung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen ist in den verschiedenen Stadtteilen unterschiedlich schnell erfolgt. Während manche Quartiere (wie z.B. das Beethovenviertel) schon vor vielen Jahrzehnten entsprechend umgestaltet wurden, ist anderswo noch großes Potenzial für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen.

Besonders in den Blick zu nehmen sind daher:

Pfersee Nord: Anders als im angrenzenden Stadtbezirk Pfersee Süd wurden hier Verkehrsberuhigungsmaßnahmen seit ca. 2005 zwar angedacht, aber bislang kaum verwirklicht.

Lechhausen West: Der Stadtbezirk verfügt über eine hohe Bevölkerungsdichte. Im Zusammenhang zu Neugestaltung Neuburger Straße und den Planungen für einen weiteren Realschulstandort im Augsburger Osten sowie für eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 besteht ohnehin die Notwendigkeit einer Neukonzeption der Mobilität in diesem Bereich.

Bismarckviertel: Trotz seines Charakters als Wohnviertel ist hier noch immer reger Durchfahrtsverkehr zu beobachten, z.B. durch die Umfahrung der Stettenstraße in Richtung B 17 / Göggingen.

Pfärrle / Bleich: Auch hier herrscht teils reger Durchgangsverkehr (u.a. entlang der Achse Frauentorstraße – Pfärrle – Brückenstraße – Berliner Allee). Das Straßenbild ist insbesondere im Teilbezirk Bleich weitgehend durch beidseitiges oberirdisches Parken von Kfz geprägt.

Neben direkter Verkehrsberuhigung kann durch die gezielte Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel auch indirekt eine Verkehrsberuhigung bewirkt werden. Entsprechende Maßnahmen wie die Bereitstellung von Mini-Servicestationen für Fahrräder, der Ausbau von Bike- und Carsharing sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos erleichtern deren Nutzung. Dadurch kann die Stadt Augsburg nachhaltig positive Effekte erzeugen und eine zukunftsfähige Entwicklung voranbringen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Deniz Anan                 Verena von Mutius-Bartholy             Peter Rauscher

Sprecher für Mobilität        Fraktionsvorsitzende                       Fraktionsvorsitzender

 

Matthias Lorentzen           Christine Kamm

Stadtrat                              Stadträtin

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