Das Frauenwahlrecht in Deutschland feiert sein 100-jähriges Bestehen. Dies ist Anlass zum Erinnern und Feiern, auch in Augsburg. Zugleich besteht aber auch die Notwendigkeit, den Blick auf bestehende Herausforderungen bei politischer und gesellschaftlicher Teilhabe von Frauen zu richten.

Martina Wild, Fraktionsvorsitzende: „Seit ca. Mitte des 19. Jahrhunderts kämpften engagierte und mutige Frauen für das Frauenwahlrecht, bis Frauen dann 1919 das erste Mal wählen durften und gewählt werden konnten. Das kann uns stolz und nachdenklich zugleich machen. Denn trotz dieser demokratischen Errungenschaft sind Frauen nach wie vor in keinem Parlament in Deutschland gleichberechtigt vertreten. Auch in Führungspositionen, gravierend insbesondere auf kommunaler Ebene, sind Frauen unterrepräsentiert. Notwendig sind daher ein bundesweites sowie länderbezogene Paritätsgesetze, um eine gleichberechtigte politische Partizipation der Geschlechter zu erreichen.”

Am 12. Januar 1919 bestimmten Frauen in Bayern erstmals mit, wer in den Bayerischen Landtag einzieht. Von 180 Abgeordneten waren damals 8 Frauen. Seit der Landtagswahl im Oktober 2018 haben nunmehr 55 Frauen einen Sitz im Bayerischen Landtag, ihnen gegenüber sitzen 155 Männer. Das macht gerade einmal einen Anteil von 26,8% aus. Im Augsburger Stadtrat sind derzeit 19 Stadträtinnen, davon 5 GRÜNE, vertreten, der Anteil der Frauen beträgt damit 31%.

Martina Wild weiter: “Von einem Spiegelbild unserer Gesellschaft kann hier keine Rede sein. Auch wenn sich Frauen vor über 100 Jahren auf den Weg gemacht haben, die Hälfte der politischen Macht zu erobern, ist politische Parität auch heute noch lange nicht selbstverständlich. Wir müssen uns dafür immer wieder stark machen. Mit unserer Quotenregelung haben wir als GRÜNE Partei erreicht, dass Frauen die Chance haben, entsprechend in die Parlamente gewählt zu werden. Denn natürlich spielt es für die Erfolgsaussichten einer Kandidatur eine Rolle, auf welchem Platz die Kandidat*innen auf der Liste platziert werden. Zudem ist unser Frauenstatut, das 1986 eingeführt wurde, eine frauenpolitische Erfolgsgeschichte. Es bereitet den Weg dafür, paritätische Bedingungen in unseren Gremien zu schaffen und die Sichtbarkeit von Frauen nach innen und außen zu garantieren. So hat unsere Fraktion nicht nur mehrheitlich Mandatsträgerinnen, sondern nun auch einen reinen Frauenvorstand. Wir brauchen und wollen die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben und an der politischen Gestaltung unserer Lebensverhältnisse und müssen hierfür auch unterschiedlichste Maßnahmen ergreifen.“

Elias Brandner aus Augsburg schrieb am Donnerstag, 17.01.19. 23:08:
Repräsentative Umfragen belegen immer wieder, dass sich Frauen für Politik deutlich weniger interessieren als Männer. Für Frauen besitzen politische Parteien geringe Attraktivität. Frauen stellen nur etwas mehr als ein Viertel aller Parteimitglieder. Sogar ausserhalb institutionlisierter Politik (zB. Bürgerinitiativen, Demonstrationen, etc.) sind Frauen weniger engagiert als Männer. (Alle Angaben stammen aus Studien von "Bundeszentrale für politische Bildung").
Grüne: Wollt ihr, dass Frauen zur politischen Teilhabe g.e.t.r.a.g.e.n werden?? Womöglich von Männern?? ;-)
Leo Kränzle schrieb am Montag, 21.01.19. 14:07:
Das Frauenstatut der Grünen stellt die Chancengleichheit von Männern und Frauen bei Wahlen zu Parteigremien sowie zu Wählerlisten sicher. Es ist in der Parteienlandschaft einmalig und im Hinblick auf Chancengerechtigkeit vorbildlich. Dass zu der Grünen Fraktion nun fünf Frauen und nur ein Mann gehören, haben die Wähler entschieden.

Wenn wie kürzlich bei der fraktionsinternen Wahl zum Vorstand Männer deutlich in der Minderheit sind, sollte es im Sinne des Frauenstatuts auch selbstverständlich sein, dass der männliche Kandidat durch die Frauenmehrheit nicht einfach ausgebootet wird. Wer zu Recht auf eine paritätische Zusammensetzung in Gremien besteht, sollte glaubwürdig zusehen, dass frau sie auch unter umgekehrte Vorzeichen beherzigt.
Mit drei Frauen im Fraktionsvorstand hat das gute Prinzip jedenfalls deutliche Kratzer bekommen. Und die Folgen für die Fraktion sind bekannt.

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