Leo Kränzle schrieb am Sonntag, 11.12.16. 14:31:
Roths Ruck Rede rockt die Delegierten reihenweise. Wirklich?
Nach dem enttäuschenden Ergebnis von nur 65% Zustimmung bei der Nominierung als Direktkandidatin im Wahlkreis Augsburg/Königsbrunn ist jetzt die Welt wieder in Ordnung für Claudia Roth. Mit 2 % Prozentpunkten mehr als Angela Merkel bei Ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden überzeugte die alte und neue Spitzenkandidatin schon zum 5ten Mal die große Mehrheit der Bayerischen Delegierten in Augsburg. Womit eigentlich?
Fangen wir einfach mit dem Schlusssatz ihrer Rede an: „Ich möchte für unsere Vision einer besseren Politik werben und das alles mit Freude und Leidenschaft, mit Mut und Haltung, und mit viel Empathie für die Menschen.“
Und von welcher Vision ist im Dezember 2016 die Rede? Von einem seit Jahrzehnten überlieferten Kanon gewiss Grüner Überzeugungen. Für ein weltoffenes und buntes Bayern, für Klimaschutz, sauberen Verkehr und erneuerbare Energien, für die Agrarwende, für soziale Gerechtigkeit und fairen Welthandel. Nicht mehr und nicht weniger.
Wer diese bessere Welt verhindert und wer bekämpft werden muss, gehört ebenfalls schon immer zum allgemeinen Grünen Gedankengut. Gegen die Söders und Seehofers, gegen die Konzerne, die Rüstung und neuerdings die Agroindustrie.
Bleibt noch die Frage, wer den Grünen dabei helfen soll, die Welt zu verbessern. Nach Roths Überzeugung kommen dafür weder die CSU/CDU, die SPD noch die Linke infrage, denn die CDU hat sich mit Merkel an die AFD „herangerobbt“, die SPD, siehe Kohleausstieg, ist „unzuverlässig“, und mit der Hetzmaschinerie der Linken „geht es gar nicht“.
Wenn also weder Schwarz Schwarz Grün, noch Rot Rot Grün eine wünschenswerte Koalition darstellen, mit wem dann regieren? Auch hier bleibt Roth keine Antwort schuldig. Hier sollen breite Bündnisse mit allen erdenklichen Gruppen weiterhelfen.
Nach soviel Vision und Machtoption bleibt abschließend die Frage, woran es letzlich gelegen hat, dass sich mehr als 90% der Delegierten von dieser „mitreißenden und engagierten“ Bewerbungsrede hat überzeugen lassen. Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, wie man mit diesen Allgemeinplätzen die Seele streicheln, aber offensichtlich weniger den Intellekt der Delegierten ansprechen konnte.
Schade nur um Bewerber*innen, die sich mit konkreten politischen Themen und konkreten Lösungsansätze für eine aussichtsreiche Kandidatur bemühten. Für die Mühen der Täler mit handfesten und handwerklichen Vorschlägen für die schrittweise Umsetzung der hehren Ziele hin zu einer ökologischen, sozialgerechten und friedlichen Republik hatten die Delegierten leider wenig Geduld und noch weniger Gehör.
Strukturell gesehen, offenbarte diese Veranstaltung aber noch weitere Mängel einer in idealer Weise anzustrebenden Nominierung der besten Köpfe. Neben Prominentenbonus statt produktiver Handwerkskunst und Handwerksleistung gab es im Ergebnis auch unnötige Ungleichgewichte zwischen den Landesbezirken. Wenn also künftig das ganze Bayern vertreten werden soll in Berlin, dann braucht es auch einen Mechanismus für Chancengleichheit unter den Bewerber*innen aus allen Bezirken, so wie es das Frauenstatut für die chancengerechte Besetzung der Ämter unter beiden Geschlechtern gewährleistet.

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