Besorgt

Diskriminierung abbauen, Prävention stärken

Am kommenden Samstag werden in Augsburg viele Menschen einem Aufruf des Bündnisses für Menschenwürde folgen und sich auf dem Rathausplatz “für ein weltoffenes und buntes Augsburg” aussprechen. Im einseitigen Aufruf, den zahlreiche Initiativen unterzeichnet haben, ist auch die Rede von einer klaren Absage an homophobe Tendenzen in unserer Stadt. Die Grüne Fraktion hat diesen Aufruf und die kürzlichen Demonstrationen der “besorgten Eltern” zum Anlass genommen nach dem Engagement der Stadt Augsburg im Bereich queer zu fragen. Verena von MutiusVerena von Mutius: “Homophobie entsteht vor allem durch fehlende oder falsche Informationen und begründet sich daraus resultierend meist aus Vorurteilen. Ein buntes Augsburg sollte sich klar gegen Homophobie positionieren, gerade in einer Zeit, in der Organisationen wie die „besorgten Eltern“ mit eindeutigen Fehlinformationen und Vorurteilen auf die Straßen unserer Stadt gehen. Bei der städtischen Gleichstellungsstelle wurde unlängst die Stelle eines Genderbeauftragten geschaffen und besetzt. Aus unserer Sicht ist mit dem Thema Gender untrennbar auch die Frage nach (homo-)sexueller Diskriminierung bzw. der Prävention von Diskriminierung verbunden. Daher wollen wir in unserem Berichtsantrag wissen in welcher Form sich die Stadt aktuell bei der Bekämpfung von Homophobie engagiert und ob und in welcher Form z.B. an Schulen Präventionsarbeit geleistet wird.”

 

Die Grüne Fraktion kritisiert in diesem Zusammenhang den Augsburger Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich, der in einer Rede am 26.02.15 im Bundestag das volle Adoptionsrecht für Homosexuelle mit dem Argument der “biologischen Realität” für seine Fraktion ablehnte. Martina Wild, Fraktionsvorsitzende: “Herr Ullrich behauptete für ihn stehe das Kindeswohl im Vordergrund. Das ist ein vorgeschobenes Argument, das an Inhaltslosigkeit kaum mehr zu überbieten ist. Es ist längst erforscht, dass das Kindeswohl nicht am Geschlecht der Eltern abzulesen ist sondern von vielen sozialen Faktoren abhängt. Wenn Herr Ullrich Angst davor hat, dass zwei Väter ihren Sohn zum Schwulsein erziehen könnten, dann soll er es so sagen und nicht den Begriff des Kindeswohls instrumentalisieren.”

 

Martina WildSogar im eher konservativen Österreich hat das dortige Verfassungsgericht am 14.01.15 im Bezug auf das Adoptionsrecht festgestellt, dass es "keine sachliche Rechtfertigung für eine ausschließlich nach der sexuellen Orientierung ausgerichtete differenzierende Regelung gibt." Martina Wild weiter: “Die Augsburger Stadtgesellschaft ist auch an diesem Punkt bunt und viele Augsburger Politiker verschiedener Couleur haben dies z.B. im letzten Kommunalwahlkampf deutlich gemacht. Warum Herr Dr. Ullrich diese gesellschaftlichen Realitäten ignoriert ist uns unbegreiflich. Auch die CSU sollte endlich kapieren, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Bundesverfassungsgericht ein ähnliches Urteil fällen wird und sie ihren sinnlosen und rein ideologischen Widerstand aufgeben muss.”

URL:https://gruene-augsburg.de/presse/presse-archiv/single-archiv/article/diskriminierung_abbauen_praevention_staerken/archive/2015/march/