Die Grüne Stadtratsfraktion sieht für die nächste Stadtregierung großen Handlungsbedarf in Sachen Frauenförderung. Martina Wild, stellvertretende Vorsitzende: „Nicht nur in der Augsburger Stadtregierung, auch in den Verwaltungsspitzen und im Stadtrat sind Männer deutlich stärker vertreten. Dies wird sich wohl auch im nächsten Stadtrat kaum ändern, da auch für den neuen Stadtrat auf den verschiedenen Listen weitaus mehr Männer als Frauen antreten.“

Der Anteil von Frauen in den Parlamenten stagniert seit über 10 Jahren in den Ländern und im Bund bei 30% und in den Kommunen gar bei 25%, wobei in den Großstädten immerhin 30-40% der Mandatsträger weiblich sind, in ländlicheren Regionen dagegen wenige bis gar keine. Bei den Führungspositionen in den Kommunen ist eine geschlechtergerechte Repräsentanz überhaupt nicht mehr gegeben. Die Landkreise werden zu 90% von Männern regiert. Bei den Oberbürgermeistern ist der Anteil der Frauen bei 15%, bei den hauptamtlichen Bürgermeistern bei nur 4%. Martina Wild: “Diese Zahlen zeigen, dass wir gerade auf kommunaler Ebene noch einen weiten Weg vor uns haben bis wir eine wirklich gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in den Kommunalparlamenten und in politischen Führungspositionen erreicht haben. Dabei ist die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen eine zentrale Frage der gesellschaftlichen Gerechtigkeit.“

Leider existiert die Unterrepräsentanz von Frauen auch in anderen Bereichen. Im bayerischen Landtag sind lediglich 27,7% der Mandatsträger weiblich. Der Anteil der Hochschulprofessorinnen in Bayern beträgt nur 15% und auch bei der Polizei sind lediglich vier Prozent Frauen in Führungspositionen. Christine Kamm, MdL: „Bayern ist unter den 16 Bundesländern nach wie vor Schlusslicht in punkto Gleichstellung. Wir brauchen deshalb Frauenquoten im Öffentlichen Dienst, in der Wirtschaft, in den Aufsichtsgremien und eben auch in der Politik.“

Die Unterrepräsentanz von Frauen wirkt sich auch auf die Gestaltung von Politik aus. Martina Wild: „Nach wie vor wird die eine Hälfte der Bevölkerung nicht angemessen repräsentiert. Damit fehlen auch wichtige Gestaltungspotentiale, wenn Frauen ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Bedürfnisse nicht einbringen können. Dies wäre aber für viele politische Entscheidungsfelder von großer Bedeutung.“ Christine Kamm: „Bei den Kommunalwahlen 2014 ist der Wettbewerb um Geschlechtergerechtigkeit wieder eröffnet!“ Die GRÜNE Landtagsabgeordnete appelliert daher an die Wählerinnen und Wähler, vermehrt Frauen in die Kommunalparlamente zu wählen, denn nur mit einer angemessenen Repräsentanz von Frauen in den Parlamenten ändern sich auch die politischen Sichtweisen.

Problematisch ist, dass Frauen nicht nur bei der Teilhabe an politischen Mandaten und Ämtern benachteiligt sind. Christine Kamm: „Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer, in Bayern beträgt die Lohnlücke gar 26 Prozent. Sie arbeiten überwiegend in Teilzeit und in Minijobs. Frauen leisten immer noch die unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit. Hier muss sich endlich etwas ändern. Denn die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen ist eine zentrale Frage der gesellschaftlichen Gerechtigkeit.“

Um die Verteilung von Macht gerechter zu gestalten, braucht es viele Maßnahmen. Martina Wild weiter: „Natürlich müssen wir Frauen ermutigen, Verantwortung in Politik und Gesellschaft zu ergreifen. Wir Grüne haben hier mit der Quote gute Erfahrungen gemacht. Es braucht aber auf jeden Fall ein Bündel an Maßnahmen: Mentoring, Empowerment, Vernetzungen unter Frauen, eine konsequente Frauenförderung, aber auch eine Flexibilisierung der Arbeitswelt mit Führungsstellen in Teilzeit. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich Strukturen ändern müssen, damit Frauen und Männer Familienarbeit und z.B. die Beteiligung in Entscheidungsgremien vereinbaren können. Dazu wird es nötig sein, dass Männer Macht abgeben und diese mit Frauen teilen.“

 

Verantwortlich: Martina Wild, Christine Kamm (MdL)

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