Die Stadtratsfraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen und der SPD fordern einen Bericht im Bildungsausschuss über die Praxis der Klasseneinteilung an den Augsburger Schulen. Dabei sei darzulegen, an welchen Schulen die Klassen aus schulorganisatorischen Gründen nach dem Kriterium der Religionszugehörigkeit gebildet werden und welche schulorganisatorischen Gründe dies sind. Außerdem fragen die Fraktionen an, wie eine entsprechende Abwägung zwischen schulorga-nisatorischen Gründen und dem Ziel der bestmöglichen Integration erfolge und an welchen Schulen hierbei Klassen entstehen, in denen sich überwiegend Kinder mit Migrationshintergrund befinden.

Hintergrund des Antrages ist die zu Beginn des Schuljahres erfolgte neue Aufteilung der Klassen in der dritten Jahrgangsstufe an der Fröbel Volksschule im Stadtteil Haunstetten. Aus den drei Klassen der zweiten Jahrgangsstufe wurden im neuen Schuljahr nun vier Klassen, die anhand der Religionsangehörigkeiten aufgeteilt sind. Dabei wurden neben zwei katholischen Klassen und einer evangelischen Klasse eine Ethikklasse geschaffen. Letztere setzt sich aus Kindern zusammen, die einer anderen christlichen Konfessionen, einer anderen oder keiner Religion angehören. An der Fröbel Volksschule erfolgt die Klassenbildung üblicherweise anhand der Religions- oder Konfessionszugehörigkeit. Ähnliche Klassenbildungen gab es in den vergangenen Jahren auch an anderen Schulen.

Die beiden Haunstetter Stadträtinnen Martina Wild von Bündnis 90 / Die Grünen und Margarete Heinrich von der SPD kritisieren den vorliegenden Fall an der Fröbel Volksschule wie die gängige Praxis der Klassenbildung nach Konfessionen. „Für das Gelingen von Integration wie für die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit ist es von großer Bedeutung, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Individualität in Bezug auf Ethnie, Religionszugehörigkeit und Geschlecht anerkannt werden. Kinder sollen mit ihrer Unterschiedlichkeit gemeinsam aufwachsen - auch und gerade innerhalb der Schule wie innerhalb der einzelnen Klassen. Eine Bildung von Klassen anhand des Kriteriums der Religionszugehörigkeit widerspricht diesen integrationspolitischen Bemühungen und bildungspolitischen Notwendigkeiten. Darüber hinaus widerspricht sie auch den ökumenischen Bemühungen der beiden christlichen Konfessionen. Schulorganisatorische Gründe sollten gegenüber diesen bedeutsamen Aspekten in den Hintergrund treten. Viele Schulen praktizieren diesen Weg deshalb seit Jahren. Daran sollte sich endlich auch die Fröbel Volksschule orientieren."

Verantwortlich: Martina Wild (Stellvertr. Fraktionsvorsitzende)

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