Die Grüne Fraktion hält die Handlungsempfehlungen einer Projektgruppe zur Entwicklung der bedarfsorientierten Kinder- Jugend- und Jugendsozialarbeit für überfällig und außerordentlich wichtig. Fraglich ist jedoch, warum der Sozialreferent diese wichtige Weiterentwicklung erst zum Ende der Legislaturperiode vorlegt. Christian Moravcik, Mitglied im Jugendhilfeausschuss: „Wir begrüßen die Handlungsempfehlungen und halten sie für längst überfällig. So soll Kindern- und Jugendlichen mehr öffentlicher Raum zur Verfügung gestellt werden und sie sollen bei dessen Entwicklung beteiligt werden. Auch bei der Weiterentwicklung der Jugendarbeit sollen sie von vornherein eingebunden werden. So sollen sie selbst entscheiden, ob sie ein Jugendhaus wollen oder andere Angebote geschaffen werden sollen. Diese Beteiligung muss nun konsequent verfolgt werden, denn eines zeigte die Befragung auch: Die Jugendlichen fühlen sich von der Politik nicht ernstgenommen! Das ist das Ergebnis der Politik der letzten 5 Jahre dieser Stadtregierung.“

Durch den Bericht sehen sich die Grünen Stadträt/-innen in der Forderung nach mehr Jugendbeteiligung voll bestätigt. Verena von Mutius: „Seit 2009 steht unser Antrag, gemeinsam mit jungen Menschen eine passende und wirksame Form der Jugendbeteiligung in Augsburg zu entwickeln. Die in der Studie befragten Jugendlichen wollen dies. Passiert ist dazu aber in den letzten Jahren rein gar nichts. Andere Städte, z.B. Stuttgart sind auch  bei der Berücksichtigung der Belange von Kindern und Jugendlichen in der Gestaltung öffentlicher Plätze und in der integrierten Stadtentwicklung weiter vorangeschritten. Jungen Menschen eine Gestaltungskompetenz bei der Entwicklung ihrer Stadt zuzugestehen ist dringend nötig und ein wegweisender Schritt. Augsburg ist weiterhin Entwicklungsland in Sachen Kinder- und Jugendpartizipation!“

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Martina Wild hält besonders die Verknüpfung von Jugendarbeit und Bildung für zentral: „Außerschulische Bildungsorte sind wichtig, da dort freiwillig und selbstbestimmt gelernt wird. Die Einführung von Ganztagesschulen darf diese Lerngelegenheiten nicht beeinträchtigen. Dies ist im Kinder- und Jugendarbeitskonzept und im Bildungsbericht deutlich dargestellt. Wir halten es deshalb für notwendig, dass Bildungsplanung und Jugendhilfeplanung gemeinsam erfolgen, um den bildungs- und sozialpolitischen Herausforderungen in Augsburg gerecht zu werden. Nur wenn sich die unterschiedlichen Bildungsorte und Bildungsakteure noch viel stärker vernetzen, kann Bildungsteilhabe und Chancengerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen ermöglicht werden. Leider fehlen die Bereiche Gender, Inklusion und Umweltbildung im Bericht völlig.“

Als eine Ohrfeige für den Sozialreferenten Weinkamm werten die Grünen die von der Projektgruppe mehrmals genannte deutliche Forderung nach einer angemessenen Raum- und Personalausstattung der Jugendarbeit. Noch 2011 plante die Stadtregierung 110.000.- € bei dem Zuschuss an den Stadtjugendring (SJR) zu kürzen. Nun vollzieht der Sozialreferent eine inhaltliche Kehrtwende. Dabei zeigte die Untersuchung, wie wichtig die Jugendarbeit in der Stadt Augsburg mit einem Migrantenanteil von 40% ist. Besonders viel jugendliche Migranten nutzen die Angebote der offenen Jugendarbeit (76%-Migrationsanteil) und der Jugendsozialarbeit (85%-Migrationsanteil), während Vereine und Verbände (30%-Migrationsanteil) Jugendliche mit Migrationshintergrund wesentlich schlechter erreichen. Eine ähnliche Verteilung belegt die Untersuchung auch bei der Nutzung nach Schichtzugehörigkeit.

 

Hintergrundinformation

In einem gemeinsamen Projekt haben die zuständigen Ämter der Stadt Augsburg, sowie die Träger der Jugendhilfe und –arbeit unter wissenschaftlicher Begleitung des Jugendpastoralinstitut Don Bosco Benediktbeuern die Lage der Jugendarbeit in der Stadt Augsburg analysiert. Der Abschlussbericht wurde in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 01.07.2013 präsentiert. Erhoben wurden Daten zur Ausstattung der Jugendhilfe und zu den Anbietern. Aus den aktuellen Diskussionen wurden inhaltliche Entwicklungslinien erarbeitet.

 

Verantwortlich: Christian Moravcik, Verena von Mutius, Martina Wild

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