Hintergrund

Augsburg ist ein Theaterstandort mit einem Dreispartenhaus und zu dieser Aussage steht die Grüne Stadtratsfraktion und uns ist es auch wichtig den Theaterstandort Augsburg zu unterstützen. Leider waren die letzten fast drei Jahren nicht sonderlich einfach für das Augsburger Theater und wir begründen hier noch mal was uns bei der Abstimmung zum Container wichtig war. Ein ausführliches Papier zum Theater insgesamt aus dem letzten Jahr findet sich unten bei den Links.

Theater heißt in dieser Stadt das Große Haus. Dies ist der Identifikationspunkt in dieser Stadt. Der Grünen Stadtratsfraktion liegt gerade das große Haus am Herzen. Wir wollen, dass dieses Haus in den nächsten Jahren noch bespielbar ist und nicht wegen Renovierungsbedürftigkeit geschlossen werden muss.

Deswegen haben wir zur Stadtratssitzung am 27.1.2011 den Antrag gestellt, dass die Stadtregierung genau darstellt, inwiefern das Große Haus in den nächsten Jahren renoviert werden kann und welche Mittel dafür nötig sind. Dies wurde von Herrn Finanzreferent Weber in der Stadtratssitzung getan.

Darin wurde klar, dass grundsätzlich das Große Haus vor dem Neubau eines Schauspielhauses an die Reihe kommen muss, denn sonst drohen Schließungen. In den Ausführungen von Herrn Weber wurde auch klar, dass die Stadt nicht vor 2014 mit der Planung und Ausführung der Sanierung des Theaterstandorts insbesondere des Großen Hauses beginnen kann und dass ab 2014 jedes Jahr sechs Millionen Euro dafür ausgegeben werden müssten. Davon könnten zwei Millionen vom Freistaat kommen. Diese Finanzierung für das große Haus ist möglich, wurde aber auch vom Finanzreferenten als sportlich bezeichnet.  

Nach Ausführungen von Herrn Weber könnte die Renovierung des großen Hauses frühestens im Jahre 2021 abgeschlossen sein. Dies geht jedoch nur wenn bei der Bereitstellung der Mittel alles nach Plan läuft und auch der Bau sehr zügig realisiert wird. Danach müsste jedoch auch noch die dringend notwenige Renovierung der Werkstätten und der Verwaltung stattfinden und der diskutierte Neubau des Schauspielhauses.

Die Ausführungen von Herrn Weber zeigen, dass die Sanierung des Theaterstandorts zwar aufgezeigt ist, aber dass in dieser noch viele Unsicherheiten und Probleme stehen, die dazu führen könnten, dass der Container keine teure Interimslösung bleibt, sondern zu einer unzureichenden Dauerlösung führen könnte. Auf der anderen Seite stehen die Nöte des Theaters momentan keine zweite Spielstätte zu haben, was Einnahmeverluste und vor allem Imageverluste zur Folge haben.

Diese Situation führt dazu, dass eigentlich keine richtige oder falsche Entscheidung getroffen werden kann, da jede Entscheidung zu einer richtigen oder falschen Entwicklung für den Theaterstandort Augsburg führen kann. Deswegen haben wir als Grüne Stadtratsfraktion die Abstimmung am 27.1.2011 freigegeben.


Persönliche Erklärung von Verena von Mutius zur Abstimmung über den Container am 27.1.2011
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,  liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich und auch die Grüne Stadtratsfraktion haben bisher alle Entscheidungen bezüglich des Container mitgetragen auch wenn wir dabei häufig Bauchschmerzen hatten, da wir uns nicht sicher waren, ob dies der richtige Weg ist. Auf diesem Weg hat vor allem die politische Steuerungsfunktion gefehlt.
Mir selber ist leider zu späht aufgefallen, dass wir keine Interimslösung bauen, sondern, dass wir auf eine unzureichende Dauerlösung zusteuern. Herr Weber hat zwar noch mal dargelegt, wie eine Sanierung ablaufen könnte, aber ich kann diesen Aussagen nach dem vielen Hin- und Her nur noch wenig Vertrauen geben. Unabhängig davon, ist nicht klar wann der Container, der hauptsächlich als Ersatz für das Schauspielhaus gedacht ist von einem neuen Schauspielhaus abgelöst werden kann.
Ich bin ein junger Politiker und vielleicht deswegen besonders stark an der Nachhaltigkeit von Entscheidungen orientiert. Ich glaube, dass in der momentanen und auch zukünftigen finanziellen Situation der Stadt besser wäre, jetzt schnell mit der Sanierung des großen Hauses anzufangen, damit dieses gerettet wird. Ich habe mir die Entscheidung zum Container sicher nicht einfach gemacht, sondern sehr lange die Pro und Contras abgewogen, aber ich werde heute aus den besagten Gründen gegen den Container stimmen.

Verena von Mutius


Persönliche Erklärung von Eva Leipprand zur Abstimmung vom 27.01.2011
Das Theater Augsburg ist das Große Haus. Das Große Haus ist die Heimat des Theaters und sein Gesicht im Stadtbild. Das Große Haus ist schon lange sanierungsbedürftig. 1980 gab es eine erste Grundlagenermittlung, danach begann die Sanierung (v.a. Bühnentechnik), wurde aber Anfang der 90er Jahre gestoppt. Rund zehn Jahre später war es die Diskussion um das Schauspielhaus, die das Thema Sanierung verdeckt hat. Diese Diskussion hat im übrigen auch die Komödiensanierung verhindert. Es war erst der Kaufmännische Direktor, Herr Rohr – dafür danke ich ihm herzlich -, der uns 2005 offen und deutlich die Dringlichkeit der Sanierung des Großen Hauses vor Augen geführt hat. Wir haben dann 2006 – ich denke einstimmig – beschlossen, dass die Sanierung des Großen Hauses die vordringliche kulturpolitische Aufgabe der nächsten Jahre sein wird. Die ersten 4,3 Mio € wurden für die dringlichsten Aufgaben bereitgestellt und sind inzwischen verbaut.
Was ist in den letzten drei Jahren passiert? Es wurde eine erneute Grundlagenermittlung in Auftrag gegeben, um viel Geld. Deren Ergebnisse werden allerdings, wie wir kürzlich aus der Zeitung erfahren haben, vom Referenten nicht ernst genommen und sind in weite Ferne gerückt. Der Container beherrscht die Diskussion. Die Situation scheint sich zu wiederholen. Die Komödie wurde aufgegeben, das stadteigene Grundstück verkauft. Man hat die Schiffe hinter sich verbrannt. Für die Sanierung des Großen Hauses gibt es, wie heute vom Kämmerer dargelegt, in absehbarer Zeit keinerlei Haushaltsmittel. Sie ist um keinen Schritt weiter gekommen. Die Sanierung des Großen Hauses ist aber die wichtigste Aufgabe im Bereich Theater. Nach drei Jahren haben wir für unser Theater, das künstlerisch so gut dasteht wie selten, nichts als den Plan für einen Container, der immer fragwürdiger und teurer wird.  
Der Referent hat uns an einen Punkt geführt, wo man keine zukunftsfähige Entscheidung zum Wohl des Theaters mehr treffen kann. Deshalb werde ich etwas tun, das ich bisher in all den Jahren noch nie getan habe – ich nehme an der Abstimmung nicht teil.

 

Ein Hintergrundtext aus dem Jahre 2008 findet sich hier

URL:https://gruene-augsburg.de/presse/presse-archiv/single-archiv/article/stellungnahmen_zum_theatercontainer/archive/2011/january/