Bauarbeiten am CFS. Foto: Volker Schafitel

Die Grüne Stadtratsfraktion sah sich gestern nicht in der Lage, dem von OB Gribl vorgeschlagenen Weg zur „Re-Sanierung“ des Curt-Frenzel-Stadions zu folgen, weil hier eine millionenschwere Entscheidung ohne ausreichende Grundlage getroffen wurde. Die Beschlussvorlage wurde erst wenige Minuten vor der Abstimmung verteilt, obwohl seit Tagen bekannt war, welche Variante der Oberbürgermeister wohl bevorzugen wird. Stadträtin Martina Wild: „Noch immer sind zu viele Fragen offen, der Zeitpunkt für die Entscheidung war zu früh. Wir wollten eine Klärung der offenen Fragen um dann zu einer fundierten und dauerhaften Lösung zu kommen, die ein gutes Stadion ermöglicht. Wir dürfen nicht noch tiefer ins Chaos rutschen.“

 

Ausdrücklich bedankt sich die Grüne Fraktion bei den engagierten Fans, die aus eigener Kraft einen Alternativvorschlag vorgelegt haben und seit Monaten für das Curt-Frenzel-Stadion kämpfen. Martina Wild: „Wir bedanken uns ausdrücklich bei den Fans für ihr Engagement. Allerdings ist es nach unserem Verständnis unabdingbar, dass im Sinne einer guten Lösung und eines ehrlichen Umgangs, gerade auch mit den engagierten Bürgerinnen und Bürgern, offene und schwierige Fragen angesprochen und geklärt werden müssen, bevor der Stadtrat eine solch weitreichende Entscheidung fällt. Dies ist leider nicht in ausreichendem Maße geschehen. Deshalb mussten wir gestern gegen die Vorlage stimmen.“

 

Die Grüne Fraktion hat den Beschluss zur Sanierung des Curt-Frenzel-Stadions von Beginn an unterstützt, weil das Stadion DEL-tauglich gemacht und weil die Bedingungen für den Breitensport verbessert werden sollten. Martina Wild: „Bisher ist für uns noch nicht zu erkennen, wann und wie die Bereiche für den Breitensport angegangen werden und wann der 2. Realisierungsabschnitt umgesetzt wird. Durch den gestrigen Beschluss sind die weiteren Bauabschnitte aus unserer Sicht in weite Ferne gerückt, da die Stadt jetzt für die Umsetzung dieses Beschlusses weitere hohe finanzielle Mittel bereitstellen muss. Die Finanzierung ist dabei noch völlig offen“

 

Aber auch viele andere Fragen sind noch ungeklärt. So ist der jetzt beschlossene Plan nicht von der zuständigen Baubehörde genehmigt. Das Architekturbüro Hermann und Öttl sagte z.B. gegenüber den Medien, dass ihnen eine Stufenhöhe von 25 cm nicht genehmigt worden sei (Quelle: http://www.daz-augsburg.de/?p=17049). Deshalb ist kaum anzunehmen, dass die jetzt vorgelegten Pläne so genehmigt werden. Zudem ist unklar, ob das Bodengutachten in die bisherigen Planungen der Alternativen eingeflossen ist. Deshalb ist fraglich, ob der jetzige Plan bzw. die Alternative umgesetzt werden können. Dies gehört vor einer Abstimmung geklärt, damit Fehler nicht wiederholt werden.

 

Zudem sind die Kosten nicht im Ansatz klar. Es ist bisher von in der Planungsvariantenmatrix präsentierten Mehrkosten in Höhe von 1,2 Mio. € bzw. 1,6 Mio €  die Rede, weitere Kosten (u.a. für weitere Honorare, Neuausschreibungen) sind derzeit noch gar nicht beziffert. Diese Kosten tauchen noch in keinem Haushaltsplan auf. Ob und wie viel davon von der Versicherung der Architekten übernommen wird, ist völlig ungewiss, zumal es deutliche Hinweise darauf gibt, dass Sportreferent Peter Grab auf eine Erhöhung der Zuschauerkapazität gedrungen hat. Dieser Wunsch hatte die Abflachung der Tribünen und damit eine schlechtere Sicht zur Konsequenz. Reiner Erben: „Wir ringen im Haushaltsausschuss um die kleinsten Beträge. Und jetzt wird im Hauruckverfahren ohne angemessene Vorbereitung eine Lösung durchgedrückt, durch die auf die Stadt Kosten in Höhe bis zu ca. drei Millionen Euro zukommen können.“

 

Die Grüne Fraktion ist aber auch deshalb mit der jetzigen Situation unzufrieden, weil die Stadtregierung und Oberbürgermeister Dr. Gribl seit dem Stadtratsbeschluss vom April 2009 bis heute sehr undurchsichtig agiert haben. Martina Wild: „Angefangen bei den massiven Umplanungen und Eingriffen in die Grünanlage an den Gremien vorbei bis hin zur Dezembersitzung 2010. In dieser hatte OB Gribl aus versicherungstechnischen Gründen darauf bestanden, dass die bisherigen Architekten ein Recht zur Nachbesserung haben und die sich daraus ergebenden Maßnahmen und Kosten von der Stadt als Schadensersatz geltend gemacht werden könnten. Schon nach wenigen Wochen gilt dies nun nicht mehr und die Stadt beschließt einen Abriss und Neubau, den sie möglicherweise zu großen Teilen selber finanzieren muss.“

 

Nicht nur dadurch ist das Vertrauen der Grünen Fraktion in die Problemlösungskompetenz des Oberbürgermeisters beschädigt. Reiner Erben: „Wir hatten nicht mehr das Gefühl, dass die Vorschläge der bisherigen Architekten auf Nachbesserungen eine ehrliche Chance bekamen. Dass sie nicht zur Sitzung eingeladen waren, passt da ins Bild. Es verdichtet sich das Bild, dass sich Oberbürgermeister Gribl ohne Rücksicht auf Verluste als bürgernaher Retter in der Not profilieren wollte. Er will die Stadt mal wieder aus einer „Notlage“ retten in die er und seine Referenten die Stadt erst gebracht haben. Diese Inszenierung kann der Stadt noch sehr teuer zu stehen kommen.“

 

 

 

Verantwortlich:

 

Reiner Erben, Martina Wild

URL:https://gruene-augsburg.de/presse/presse-archiv/single-archiv/article/unwuerdiges_hauruckverfahren/archive/2011/january/