Gundremmingen abschalten!

Grüne aus Augsburg, Schwaben und Bayern forderten in einem Antrag auf dem Grünen Sonderparteitag zum Atomausstieg am am 26.06.2011 die schnellstmögliche Abschaltung des AKW Gundremmingen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.

 

Änderungsantrag zu A-01

Einfügen Zeile 167 nach "…die Kernschmelzen eintraten."

"Auch ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, warum die beiden AKW-Blöcke Gundremmingen B und C, im wesentlichen baugleich mit den Katastrophenreaktoren in Fukushima, gegenüber dem ursprünglichen rot-grünen Ausstiegsfahrplan mit längeren – und im Übrigen unterschiedlichen – (Rest)Laufzeiten versehen werden sollen, obwohl beide im selben Jahr ans Netz gegangen sind. Es muss alles dafür getan werden, um ein schnellstmögliches Abschalten dieser Risikoanlagen zu erreichen."

Begründung:

Im Gesetzesentwurf der Bundesregierung werden den Blöcken B und C des AKW Gundremmingen Reststrommengen zugestanden, die einen Betrieb bis 2017 (Block B) und 2021 (Block C) bedeuten würden. Im Vergleich zum Atomkonsens aus dem Jahre 2002 würde dies eine deutliche Laufzeitverlängerung für die beiden Reaktorblöcke darstellen. Nach dem Atomgesetz von 2002 hätten die beiden Blöcke 2015 bzw. 2016 vom Netz gehen sollen.

Dabei ist das AKW Gundremmingen besonders gefährlich:

  • Nach der Abschaltung der sieben Altreaktoren plus Krümmel stehen in Gundremmingen die letzten beiden deutschen Siedewasserreaktoren. Sie sind der gleiche Reaktortyp wie in Fukushima. Alle anderen Siedewasserreaktoren in Deutschland sind nicht mehr in Betrieb.
  • Die Siedewasserreaktoren in Gundremmingen haben im Gegensatz zu Druckwasserreaktoren nur einen Hauptkreislauf, so dass radioaktiv kontaminierter Dampf ins Maschinenhaus und an die Turbinen außerhalb des Reaktorgebäudes gelangen kann. Die Gefahr der Freisetzung von Radioaktivität ist damit deutlich erhöht.
  • Die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren nimmt mit der Nähe zum Reaktorstandort nach einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz deutlich zu. Aus Siedewasserreaktoren entweicht im Durchschnitt mehr Radioaktivität über den Kamin und das Abwasserrohr an die Umwelt als aus Druckwasserreaktoren.
  • Die gefährlichen Abklingbecken für Brennelemente sind wie in Fukushima außerhalb des Sicherheitsbehälters angeordnet. Dort lagern über 4000 hochgefährliche Brennelemente und damit mehr als doppelt so viele wie in Fukushima. Ein Problem mit der Kühlung könnte katastrophale Folgen für Süddeutschland haben.
  • Nur in Gundremmingen laufen noch zwei Reaktoren an einem Standort, was – wie wir in Fukushima gesehen haben – bei einem Unfall in einem Reaktor auch zur Unbetretbarkeit des anderen Reaktors führen kann.
  • Die Reaktoren in Gundremmingen sind nicht einmal ein Jahr später als der Reaktor Krümmel in Betrieb gegangen. Eine über 10 Jahre längere Betriebszeit als Krümmel kann angesichts der konstruktionsbedingten Risiken nicht hingenommen werden. Bei der Havarie des Blockes A in Gundremmingen 1977 wurden erhebliche Mengen an Radioaktivität freigesetzt.

AntragstellerInnen: Ekin Deligöz (KV Neu-Ulm), Christine Kamm (KV Augsburg-Stadt), Klaus Becker (KV Aichach-Friedberg), Theresa Schopper (KV-München-Stadt), Dieter Janecek (KV München), Holger Greif (KV Neu-Ulm), Kirsi Hofmeister-Streit (KV Augsburg-Stadt), Maximilian Deisenhofer (KV Günzburg), Matthias Strobel (KV Augsburg-Stadt), Elfriede Roth (KV Oberallgäu), Uta Wittich (KV Ulm), Marion Brülls (KV Aichach-Friedberg), Dieter Ferdinand (KV Augsburg-Stadt), Bettina Merkl-Zierer (KV Dillingen), Martina Gebhard (KV Oberallgäu), Claudia Eser-Schuberth (KV Aichach-Friedberg), Michael Schropp (KV Kempten), Antje Seubert (KV Augsburg-Stadt), Doris Gerlach (KV Aichach-Friedberg), Michael Husch (KV Unterallgäu) u.a.

[Mehr Informationen zum Grünen Sonderparteitag]http://www.gruene-partei.de/cms/default/rubrik/18/18845.bdk_2011_berlin.htm

URL:https://gruene-augsburg.de/themen2/energiewende/single-energiewende/article/gundremmingen_schneller_abschalten/