Friedrich Sehardt aus Augsburg schrieb am Montag, 19.12.16. 22:53:
Sehr geehrte Damen,
den Zweck der von Ihnen beförderte eingeengten Erinnerungskultur empfinde ich sehr bedrückend. Augsburg hat in seiner 2000-jährigen Geschichte Juden immer wieder verfolgt aber auch Jahrhunderte mit diesen gut zusammengelebt. Auch waren andere Deutsche Opfer der Nazis. Die Augsburger Geschichte erschöpft sich schließlich nicht in der Beziehung zu den Juden. Die allermeisten Opfer und Täter des Dritten Reichs dürften zwischenzeitlich nicht mehr leben.
Nach meinem Empfinden geht die von Ihnen beförderte "Erinnerungskultur" davon aus, dass die Nachgeborenen in Deutschland und in Augsburg sich auch für die Verbrechen in jenen 12 Jahren von vor über 70 Jahren verantwortlich fühlen sollen. Jeder, der jetzt lebt, hat es sich aber nicht ausgesucht, in welche Bevölkerung er hineingeboren wurde. Er kann deshalb nicht für irgendwelche Ereignisse in der Vergangenheit verantwortlich sein.
Sie aber setzen unausgesprochen eine untilgbare Erbschuld der in Deutschland nachgeborenen voraus, welche 1945 begründet wurde. Diese Erbschuld als Prämisse Ihrer speziellen negativen Erinnerungskultur ist nicht begründbar. Eine positive Erinnerungskultur würde sich auf alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft beziehen. An Stolpersteinen und Gedenktafeln ist ganz bestimmt nichts auszusetzen, sollten aber das ganze Spektrum der geschichtlichen Wahrheit abbilden. Sie sollten sich ganz positiv die Förderung von Menschlichkeit zum Ziel setzen nicht Erhaltung eines allgemeinen Schuldkomplexes. Durch letzteres wird kein Mensch besser.
Mit freundlichen Grüßen
Friedrich Sehardt

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