Blut muss fließen

FILM UND DISKUSSION, 8. Februar 2013, 20:00 Uhr, Liliom Kino Augsburg, Eintritt frei!

Seit Bekanntwerden der fürchterlichen Mordserie durch Neonazis erfahren rechtsextreme Umtriebe auch in Bayern breitere Aufmerksamkeit. Viel zu lange konnten Rechtsextreme ihre menschenverachtende Ideologie jedoch nahezu unbehelligt verbreiten. Rechtsextreme Musik spielt dabei eine zentrale Rolle nicht nur als „Einstiegsdroge“, auch als Medium um ideologische Inhalte zu verbreiten, zur Ausbildung und Stärkung von Netzwerken und zur Finanzierung der Szene. Ein Dokumentarfilm macht deutlich, welches Ausmaß rechtsextreme Konzerte auch in Bayern annehmen. Der Film zeigt, dass Behörden und politisch Verantwortliche dazu tendieren wegzusehen oder zu verharmlosen.

Gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Christine Kamm, dem Regisseur Peter Ohlendorf und Cemal Bozoglu, Grüner AK Migration, wollen wir diskutieren, welche Maßnahmen gegen Rechtsextremismus auf den Weg gebracht werden müssen.


Zum Film:

Der Sänger grölt Gewaltparolen, die Skinheads toben und die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: Als Thomas Kuban zum ersten Mal ein Neonazi - Konzert mit versteckter Kamera dreht, ermöglicht er Einblickein eine Jugendszene, in die sich kaum ein Außenstehender hineinwagt. Sechs Jahre später hat er rund vierzig Undercover-Drehs hinter sich, auch in Ländern jenseits deutscher Grenzen. Ein Lied begegnet ihm auf seiner „Konzerttournee“ immer wieder: „Blut muss fließen knüppelhageldick, wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik…“. Hochbrisant ist das Material, das Thomas Kuban im Lauf der Jahrezusammengetragen hat - einzigartig in Europa, wahrscheinlich sogar weltweit.

Mit Rechtsrock junge Menschen zu ködern und zu radikalisieren – diese „Masche“ zieht: Laut einer Studie ist der Rechtsextremismus in Deutschland zur größten Jugendbewegung geworden. Längst hat sichrund um die Musikveranstaltungen auch ein blühender Markt entwickelt: CD’s der einschlägigen Bands werden in Eigenregie produziert und in Szeneläden oder über das Internet verkauft. Mit rechtsextremen Merchandising – Artikeln ist das nicht anders. Auf diese Weise wird zugleich Geld für die Expansion der „Bewegung“ generiert.

Der Journalist Thomas Kuban hat all das mit versteckter Kamera dokumentiert und ist dabei ein hohes Risiko eingegangen. In keinem Verhältnis dazu steht das Interesse der Öffentlichkeit an seinen Bildern. Besonders deutlich wird dies bei der erfolglosen Suche nach Unterstützung für ein Filmvorhaben, von dem er sich große Wirkung verspricht: Eine Reise durch Deutschland und Europa, zurück auch an Orte, an denen er versteckt gedreht hat. Im Fokus stehen dabei politische Entscheidungsträger, Behörden und Bürger. Thomas Kuban versucht so Antworten zu finden auf die Fragen: Warum kann auf der rechtsextremen Partymeile über alle Grenzen hinweg gefeiert werden und wie lässt sich das verhindern?

Der Autor Peter Ohlendorf hat Thomas Kuban auf seiner Reise mit der Kamera begleitet. Diesen Beobachtungen sind Sequenzen des Undercover-Materials gegenübergestellt. In den Dokumentarfilm sind quasi fiktionale Elemente integriert, die sich aus Sicherheitsgründen ergeben: Der Protagonist des Films muss unerkannt bleiben, sein Name ist folglich ein Pseudonym. Die eigenwillige Verkleidung dient nicht nur seinem Schutz, sondern thematisiert in ihrer Überpointierung zugleich die Rezeption seiner Person durch die Gesellschaft. Auch die Stimme von Thomas Kuban wird unkenntlich gemacht. Die Sprachebene ist analog zur Verkleidung frei entwickelt, sie orientiert sich aber an seiner realen Identität und hält sich streng an Fakten.

Film Homepage »

URL:https://gruene-augsburg.de/themen2/gegen-nazis/single-gegennazis/article/blut_muss_fliessen_undercover_unter_nazis/