Christian Felber

In zwei Veranstaltungen im Rahmen der Reihe „Wir leben Augsburg“ sammelten die Augsburger Grünen Ideen und Vorschläge für eine Veränderung der Wirtschaftsordnung. Vorstandsmitglied Stephanie Schuhknecht: „Das Grundsatzreferat von Christian Felber am letzten Freitag Abend wurde ergänzt mit der Darstellung von konkreten, innovativen Projekten bei einem Workshop-Tag am Samstag. Beides Mal wurde eine Vorstellung entwickelt, wie eine veränderte Wirtschaftsordnung aussehen könnte und was die nächsten Schritte in diese Richtung wären. Die Referate und die angeregten Diskussionen haben Mut gemacht, auch in Augsburg in diese Richtung weiterzugehen.“

ChristanFelber, Stephie Schuhknecht und Reiner ErbenAuf Einladung der Grünen Stadtratsfraktion stellte Christian Felber vor 150 Besucher/-innen sein Konzept der Gemeinwohlökonomie vor. Nach diesem werden Unternehmen nicht mehr ausschließlich nach ihren finanziellen Erträgen bewertet, sondern auch die Auswirkungen auf das soziale Miteinander und auf die Umwelt werden bilanziert. Dadurch ergibt sich ein neuer Blick auf den gesellschaftlichen Wert einzelner wirtschaftlicher Akteure. Mittelfristig ist vorstellbar, dass Betriebe, die nachweisbar eine positive Gemeinwohlbilanz haben, z.B. auch steuerlich bevorzugt werden.

Diese Herangehensweise ist eine mögliche Antwort auf fundamentale Widersprüche in der aktuellen Wirtschaftsordnung. Einen sieht Christian Felber in Bezug auf die Verfassungen. So ist in der bayerischen Verfassung ausdrücklich festgehalten: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl…“ Angesichts der derzeitigen ungleichen Verteilung von Gütern und dem obersten Ziel der Gewinnmaximierung folgert der österreichische Publizist: „Die jetzige Wirtschaftsordnung ist verfassungswidrig!“

Christian Felber sieht aber nicht nur einen gravierenden Widerspruch zu den Aussagen der Verfassungen zu Wirtschaftsfragen, sondern auch zu den Werten, die für gelingende Beziehungen notwendig sind: „Wir haben das eigenartige Phänomen, dass sich in der Wirtschaft Werte wie Konkurrenz, Misstrauen oder Egoismus als leitend durchgesetzt haben, während jeder weiß, dass zwischenmenschliche Beziehungen nur funktionieren, wenn Haltungen wie Vertrauen, Kooperation oder Empathie gelebt werden. Deshalb ist es nötig, die Wirtschaftsordnung vom Kopf auf die Füße zu stellen.“

Dass die Vorstellungen der Gemeinwohlökonomie keine realitätsfremden Hirngespinste sind, zeigt sich in der beeindruckenden Resonanz: Schon nach etwa zwei Jahren haben sich über 1.000 Firmen in Europa der Bewegung zur Förderung der Gemeinwohlökonomie angeschlossen und sich verpflichtet, eine umfassende Bilanz zu erstellen, die alle Auswirkungen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit beleuchtet.

Christian Felber "Geld regiert die Welt": PDF Download »

 

Carsten Schmitz GLS BankIn den Workshops stellten Vertreter/-innen der GLS-Bank, der Regionalwert AG aus Freiburg und Green City Initiative aus München konkrete Ansätze vor, wie regionale und/oder ökologische Projekte auf eine solide wirtschaftliche Basis gestellt werden können. Auch hier leitet der Grundsatz, dass nicht ein Bereich isoliert angegangen wird, sondern soziale, ökologische und ökonomische Aspekte gemeinsam gedacht werden.

Die Augsburger Grünen sind sich einig, dass sich aus den beiden Veranstaltungen wertwolle Anknüpfungspunkte für die Gestaltung der Augsburger Stadtpolitik gewinnen lassen. Der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Reiner Erben: „Wir wollen die Anregungen aufgreifen und in Augsburg erste Schritte mit interessierten Unternehmen und städtischen Töchtern zur Stärkung des Gemeinwohlgrundsatzes vorschlagen. Und warum soll Augsburg nicht eine der ersten Kommunen sein, die sich zur Gemeinwohl-Ökonomie bekennt?“

Hep MonatzederDie Grünen wollen auch die Impulse aus den verschiedenen Vorträgen aufgreifen. Stephanie Schuhknecht: „Gerade auch der Vortrag des dritten Münchner Bürgermeisters Hep Monatzeder zur nachhaltigen Beschaffung in öffentlichen Einrichtungen zeigte uns kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten. Es muss uns darum gehen, regionale und ökologisch sinnvolle Produktionsformen zu stärken. Dies ist aus unserer Sicht die einzige Antwort auf Lebensmittelskandale oder  auf skandalöse Zustände in Unternehmen wie wohl beispielsweise bei Amazon.“

Verantwortlich: Stephanie Schuhknecht, Reiner Erben

Input-Referate (PDF):

Carsten Schmitz, GLS Bank Mehr »

Christian Hiß, Regionalwert AG Freiburg Mehr »

Martin Glöckner, Green City München Mehr »

Hep Monatzeder, 3. Bürgermeister München Mehr »

 Weitere Informationen:

Zu Christian Felber: www.christian-felber.at

Zur Gemeinwohl-Ökonomie: http://gemeinwohl-oekonomie.de/ 

Zur GLS-Bank: http://gmeinschaftsbank.de

Zur Regionalwert AG in Freiburg: http://www.regionalwert-ag.de/

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