Leo  aus Bonstetten schrieb am Donnerstag, 22.03.18. 18:34:
Liebe Claudia,
in der von Seehofer mit Blick nach rechts eröffneten Debatte zur kulturellen Zugehörigkeit des Islam in Deutschland hilft weder die pauschale Ablehnung durch den Bundesinnenminister noch die pauschale Bejahung einer Religion wirklich weiter. Gerade wir Grüne wissen, dass der Islam nur ein Oberbegriff ist für unterschiedliche Glaubensgemeinschaften, deren gemeinsame Basis die Offenbarung des Koran darstellt. Wir bejahen uneingeschränkt die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit. Gewalt gegen religiöse Einrichtungen und Gläubige durch einen aufgestachelten Mob sind daher scharf zu verurteilen. Gleichzeitig wissen wir um die von religiösen Überlieferungen geprägten traditionellen Vorstellungen beispielsweise zur Rolle der Frauen oder zum Verhältnis von Staat und Glaube bei unterschiedlich aufgeklärten Strömungen des Islam.
Wir Grüne kritisieren nach meiner Auffassung zurecht die Einstellung der Katholischen Kirche zur Homosexualität. Weshalb gestatten wir uns in dieser Debatte nicht auch ein differenziertes Bild vom Islam mit seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Und konkrete Religionskritik an bestimmten Vorstellungen bedeutet doch keine Ablehnung oder Ausgrenzung von Muslimen schlechthin.
Wenn es also um die Sorgen vieler Bürger wie die unbestimmte Angst vor Überfremdung oder die Sicherheitsbedürfnisse aller Bürger diese Landes geht, brauchen wir Differenzierungen, welche Werte wir in unserer Gesellschaft für unverzichtbar halten oder woher möglicherweise Gefahren drohen. Eine undifferenzierte pauschale und reflexartige Polarisierung halte ich für keinen guten Beitrag, politisch weit nach rechts abgedriftete Bürger wieder für die Mitte weg von den rassistischen Parolen der AFD zu gewinnen.

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