Deniz Anan schrieb am Freitag, 07.07.17. 11:52:
Die Stellungnahme ist sehr detailliert und ungewohnt ehrlich.

Folgende Punkte sollte man hinzufügen:

- Zu den großen Verlieren gehören Kund/inn/en, die ein Umwelt-Abo-Plus für eine Zone abonniert haben. Dies konnten bislang zu einem verhältnismäßig geringen Aufpreis (1 Streifen) in die andere Zone fahren. Hierfür werden nun (ab 5 weiteren Haltestellen) 2 Streifen fällig. Bei 2 Personen macht das für eine Hin- und Rückfahrt 8 Streifen – das ist mehr, als eine Familien-Tageskarte kostet.
- Bei der Regionalbahn gibt es keinen Kurzstreckentarif, auch nicht bei verhältnismäßig kurzen Fahrten (z.B. Hauptbahnhof – Haunstetter Straße), auf denen – wenn man für die gleiche Strecke die Straßenbahn nutzt – Kurzstreckentarif gelten würde. Das ist widersinnig und widerspricht dem Ziel, die Regionalbahn zu einem attraktiven Verkehrsmittel auch für den innerstädtischen Verkehr zu machen.
- Die Reichweite der Kurzstrecke ist mit gerade einmal 4 Haltestellen nicht gerade groß. In Nürnberg sind es 5 Haltestellen.
- Die Aussage, „dass 74% der ÖPNV-NutzerInnen danach gleich viel oder weniger bezahlen“, unterschlägt, wie viele dieser 74 % wirklich entlastet werden.
- Eine Einzelfahrt ist in Augsburg nun teurer als in München, bei deutlich schlechterem Nahverkehrsangebot, was Takt und Liniendichte angeht.
- Das neue Tarifsystem wird strategische Reaktionen zur Folge haben, die eigentlich niemand will. So werden viele lieber eine oder zwei Haltestellen zu Fuß gehen, anstatt 1,45 € mehr zu bezahlen.
- Auch künftig lohnt es sich, im Antonsviertel oder auf dem Plärrergelände zu parken, weil man von dort aus weiter zum Kurzstreckentarif zum Königsplatz kommt.
- Bei Abos gibt es weiter zwei Zonen, bei Streifenkarte und Einzelfahrschein nicht. Das Tarifsystem wird also noch komplizierter und undurchschaubarer.
- Von dem günstigen 9-Uhr-Spar-Abo haben alle diejenigen, die vor 9 Uhr unterwegs sein müssen, herzlich wenig. Die wenigsten suchen sich ja aus, so früh ins Büro oder ihre Kinder in der Kita abgeben zu müssen. Den Takt dünnen die Stadtwerke außerdem schon ab 8 Uhr aus.

Alles in allem fragt man sich, warum GRÜNE dem zustimmen. GRÜNES Ziel muss sein, dass der öffentliche Nahverkehr besser und billiger wird, und dass man hierfür mehr Geld in die Hand nimmt.

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